Premium ist Ehrensache, oder eher der Klimaschutz?
Samstag, 10. Februar 2007In einem Interview mit Jürgen Trittin stellte der fest, dass die Autoindustrie den Schadstoffausstoß im Griff haben könnte, würde sie ihre Selbstverpfilchtung einlösen. Bis 2008 sollten Werte von 140 g Kohlendioxid-Ausstoß pro Kilometer erreicht werden, bis 2012 120 g.
Diese Werte werden also nicht erreicht. Jetzt kommt die Politik “daher” und fordert die Einhaltung dieser Verpflichtungen oder will aus der Selbstverpflichtung etwas handfesteres machen, wie zum Beispiel über eine Besteuerung der Autos nach ihrem Ausstoß. Dieses Modell einer CO2-Steuer macht natürlich den Autoherstellern mehr Druck. Bisher konnten sie sich immer auf das Kaufverhalten der Kunden herausreden (die nunmal nur größere Autos kaufen wollten), bei einer drohenden höheren Besteurung würde sich dieses Kaufverhalten aber wohl ändern.
In einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung (vom 09. Februar 2007) wird Erwin Huber mit seiner Reaktion auf die Forderung nach einer solchen Steuer zitiert: “Premiummarken wie BMW, Audi, Mercedes und Porsche [würden dadurch] kaputt”gemacht.
Kann das denn sein? Könten die Autohersteller nicht auch auf eine solche Entwicklung reagieren? Für gewöhnlich ist die Autoindustrie ja doch recht schnell in ihren Reaktionen auf den Markt. Und immerhin gibt es ja auch die Selbstverpflichtung. Der Wille scheint also da zu sein. Warum setzt man ihn dann nicht durch?
Die Antwort lautete bisher immer: weil die Kunden größere Autos mit mehr Extras (Klimaanlage, Navigationssysteme und solche Dinge) nachgefragt haben, hat man eben solche Autos produziert und nicht die Verringerung des Ausstoßes vorangetrieben.
Dabei wäre es doch so einfach, eine Verknüpfung von verringertem Ausstoß und Premium-Image herzustellen. Die Bio-Marken in den Supermärkten machen das vor: sie sind teurer als die übrigen Lebensmittel, aber die Kunden fragen es nach und kaufen es. Ein umweltschonendes Auto mit einem “Premium-Image” würde aller Wahrscheinlichkeit nach ebenso gerne und gut nachgefragt werden. Aber solche Überlegungen scheinen die Autohersteller nicht anzustellen. Schade eigentlich. Umweltschutz könnte mehr als nur Ehrensache sein, man könnte sogar daran verdienen.
Nachtrag I:
Mittlerweile forderte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee eine Umstellung der KFZ-Steuer: Nicht der Hubraum, sondern der Schadstoff-Ausstoss soll dann Berechnungsgrundlage der Steuer werden.
Und das sind alles einigermassen “olle Kamelle”: selbst der ADAC hat schon so eine Umstellung vorgeschlagen — im Januar 2005.
Nachtrag II:
Und so melden sich die Länder zu Wort: sie stellen sich gegen eine Umstellung wegen möglicher Mindereinnahmen aus der KFZ-Steuer.